Das Märchen von der Standbegattung
Standbegattung ist die einfachste Form der Königinnenvermehrung. Glauben wir den Fachleuten, so sind viele Belegstellen unnötig, da unsicher - die Standbegattung bietet viele Vorteile : Das genetische Material kann vor Ort genutzt werden.
Die Landrasse soll hochgezüchteten Bienenvölkern in der Ertragsleistung überlegen sein. Immer wieder ziehen Wissenschaftler, aber auch einige Imker, die Karte "Heterosis", die nahezu automatisch den Honig einbringen soll.
Besonders Jungimker sollen dazu motiviert werden, mit Tipps und Tricks für bequeme und faule Imker, ihrem Hobby treu zu bleiben.
Hier wird die Idee der Nachwuchswerbung, die hier sicherlich als ehrenvolle Motivation unterstellt werden darf, nicht optimal zu Ende gedacht.
Natürlich soll Mut gemacht werden, ein immer schwieriger werdendes Hobby zu ergreifen, doch ist hier der simplizistische Ansatz falsch.
Die aktuellen Untersuchungsergebnisse einiger deutscher Wissenschaftler, die glauben, belegen zu können, dass eine "Land- und Wiesenrasse" bei guter Selektion den Reinzuchtvölkern in wirtschaftlicher Hinsicht überlegen ist, müßen hier eindeutig als falsch bewertet werden.
Standbegattung variiert in ihrer Qualität - die Ergebnisse sind weder vorhersehbar noch planbar. Hier sind es die Nachbarimker, die den Erfolg ihrer Zucht sicher stellen oder auch vernichten können.
Haben Sie das große Glück, einige Reinzüchter oder engagierte Hobbyzüchter in nächster Umgebung Ihrer "Belegstelle" zu wissen, gehören Sie zu den wenigen Glücklichen, die tatsächlich ohne größere Mühen Zucht vor der eigenen Haustür betreiben können.
Die Realität sieht aber meistens so aus, dass in der Nachbarschaft derartig viele Bienenrassen und ihre Verkreuzungen gehalten werden, dass eine Standbegattung frei nach Prof. Armbruster nur als rein sportliches Zuchtziel bewertet werden kann.
Vergleich zwischen Bienen der Landrasse, Ligustica, Kaukasica und Carnica in Litauen
| Verw. Bienenrasse | Bewertungszeitraum | Eintrag in Kg / Volk |
| Landrasse (L) | 1966 - 1981 | 24,4 - 27,8 |
| Kaukasica (K) | 1966 - 1981 | 22,7 - 47,0 |
| Carnica (C) | 1966 - 1981 | 14,8 - 31,1 |
| Ligustica (Li) | 1966 - 1981 | 24,3 - 30,6 |
| L x K | 1968 - 1981 | 24,3 - 30,6 |
| K x C | 1968 - 1981 | 22,0 - 28,4 |
| L x Li | 1968 - 1981 | 7,30 - 35,0 |
| K x Li | 1972 - 1981 | 12,0 - 31,4 |
| L x C | 1968 - 1981 | 10,0 - 33,7 |
Quelle: Prof. J. Straigis Bieneninstitut Dotnuva, Litauen
F1-Kombination zwischen Ligustica und Kaukasica schnitt ähnlich ab
Die kaukasische Biene ist für die klimatischen und botanischen Verhältnisse (verstärkter Rotkleeanbau) im Baltikum besonders geeignet. Ihre Honigleistung wurde über 15 Ertragsjahre dokumentiert.
Nur die F1-Kombination zwischen Ligustica und Kaukasica schnitt ähnlich erfolgreich ab und beweist, dass geplante Rassezucht ihre Vorteile hat. Natürlich muß vorher die richtige Bienenwahl getroffen werden.
Vergleich zwischen Bienen der Landrasse, Buckfast und Carnica in Deutschland
| Verw. Bienenrasse | Bewertungszeitraum | Ertrag in kg/Volk |
| Landrasse (L) | 2000 - 2005 | 20,1 - 28,3 |
| Buckfast (B) | 2000 - 2005 | 23,0 - 41,7 |
| Carnica (C) | 2000 - 2005 | 24,9 - 33,7 |
Quelle: Imkerei Lange, Hagen Magister J. Lange
Die Überlegenheit einer geplanten Zucht
Die angewandten, gleichen Untersuchungsparameter erlauben eine deutliche Interpretation der hier gemachten Ergebnisse. Es wird deutlich, dass eine geplante Anpaarung Zufallszuchtergebnissen überlegen ist.
Carnica und Buckfast sind der Landrasse überlegen.
Es wurden alle Bienenvölker im Dadantsystem gehalten (7 Bienenvölker je Zuchtrichtung). Insgesamt dokumentierten wir die Erträge von 42 Bienenvölkern. Die Standorte befanden sich alle im gleichen klimatischen Gebiet, aufgestellt in einem Umkreis von 10 Kilometern. Die Bienenvölker wurden nur von einer Person bewirtschaftet.