PIN, HYG, VSH & CO.

Autor: Job van Praagh

Seitdem der Varroa destructor in die Völker unserer westlichen Honigbiene vorkommt, ist „Anti-Varroa “ der Schwerpunkt in alle Selektionsprogramme weltweit geworden. Dies hat uns eine Reihe von neuen Begriffe beschert, die man kennen und verstehen muß, um mitreden zu können.

copyright Arista Bee Research Varroa erwachsenen Weibchen  (Gilles San Martin)
copyright Arista Bee Research
Varroa erwachsenen Weibchen (Gilles San Martin)

VSH 

Seit einigen Jahren wissen wir, das es Bienenvölker gibt, die gezielt Arbeiterinnenbrutzellen öffnen, wenn sich darin eine Varroa fortpflanzt. In Völker mit Arbeiterinnen, die diesen Verhaltensaspekt zeigen – den “Trick” beherrschen – wächst die Varroapopulation langsamer.

Diese Brutzellen werden dann leer gemacht und der laufende Reproduktionszyklus des Varroa-weibchens gestört. Dieses erblichen Verhalten wurde das Etikett VSH verpaßt. Varroa Sensitive Hygiene = VSH (auf Varroa ansprechenden hygienischen Verhalten). Wir nennen Völker mit Arbeiterinnen, die spontan die Zellen, in denen sich eine oder mehrere Milben befinden und fortpflanzen, öffnen und ausräumen VSH-Völker. Eine Varroaweibchen aus so eine aktiv geöffnete Zelle hat sich dieses Mal nicht reproduzieren können.

 HYG 

Neben diesen Umgang mit befallenen Brutzellen ist schon vor lange Zeit das HYG Verhalten beschrieben. Arbeiterinnen, die sich empfindlich zeigen für “Ungesundes unter Zelldeckeln”. (Van Praagh.1994, 1999). Im Rahmen des Beebreed-Programms (eigentlich das Selektions-Programm der DIB Carnicazucht) wird eine Test auf HYG Verhalten durchgeführt und teilweise subventioniert. (D.I.B : Deutsche Imker Bund e. V.) Die Überprüfung auf Vorhandensein von HYG-Verhalten im Volk kennt eine Reihe von Varianten in der Art, wie die Brut unter der geschlossen Zelldeckel getötet wird.

(1) mit ein Insekten Nadel

a) PIN-Blümchen (van Praagh 1994)

b) Raute (Fuchs1996; Büchler 2005) oder

(2) durch Einfrieren oder Erhitzen ein geschlossene Bereich. (Paul Jungels, 2009).

In der amerikanischen Literatur sind alle diese Varianten beschrieben worden. Diese Tests sind so konzipiert, in der Hoffnung Völker zu selektieren, die “kranke” verdeckelte Brutzellen

– erkrankt an AFB, EFB, Kalkbrut usw. – erkennen und ausräumen. Wir müssen momentan solche Tricks, wie Nadelstich, flüssigen Stickstoff oder eine Flamme einsetzen, weil wir mit amerikanischen Faulbrutsporen oder ähnliche Krankheitserreger nicht arbeiten sollen/wollen. Die Forschung über die Existenz dieser speziellen Abwehrverhalten gegen Brutkrankheiten und die Selektion der Bienenvölker mit diesem Verhalten wurde von Rothenbuhler (1964) jedoch mit AFB-Sporen getan. Wir nehmen nun eine Insektennadel oder etwas anderes zur Überprüfung des Verhaltens. Und bieten toter Brut an, ohne ein Krankheitserreger zu verwenden. Streng genommen selektieren wir damit Völker, die auf tote Brut (Nadel, Einfrieren, Erhitzen) mit Entdeckeln und Ausräumen reagieren. Und wir tun dies in der Hoffnung, hierdurch eine bessere Empfindlichkeit für Zellen mit kranker Brut zu züchten.

Zumindest haben wir gesehen dass in Zuchtpopulationen in denen über Jahre das HYG-Verhalten über Selektion mit Hilfe der PIN-test verbessert wurde, Kalkbrut praktisch verschwunden ist. Rothenbuhler hat dieses genetisch bedingte Verhalten “u&r” getauft, weil es zwei Gruppen Arbeiterinnen in die gute Völker geben mußte. Eine Gruppe die die befallenen Zellen entdeckte und aufmachte (u-uncap=Entdeckeln) und eine zweite Truppe die die Zellen leer machte (r-remove=Aufräumen).

Dieses Messen der Geschwindigkeit, mit der ein Volk absichtlich getötete Brutzellen ausräumt, hat mit dem Erkennen und Ausräumen von verdeckelte Brutzellen mit ein sich fortpflanzende Varroa hinter den Deckel kaum etwas oder nichts zu tun.

SMR

Die Generation Bienenwissenschaftler nach Rothenbuhler beim USDA hat Völkern entdeckt und in ein Selektionsprogramm aufgenommen die aufgefallen waren, weil in diese Völker die  Varroapopulation langsamer wuchs. Diese Völker bekamen das Prädikat SMR (=suppressed mite reproduktion); Völker mit gebremsten Milben(Varroa)Fortpflanzung. Welcher Mechanismus oder Mechanismen hier wirkten, wurde damals noch nicht geklärt. Ein paar Jahre später entdeckten sie, das die Wachstumshemmung entstand, weil Arbeiterinnen selektiv Brutzellen mit reproduzieren Varroas öffneten und ausräumten (VSH). Die Forscher sind sich einig, dass die Arbeiterinnen, die HYG “können”, VSH nicht beherrschen und umgekehrt. In anderen Worten, es kann Völker geben worin sich unter der Supergeschwistergruppen auch welche befinden, die sich mit “fremdartige” Brutzellen beschäftigen, aber der eine mit kranken Brut (HYG) und die andere mit Varroareproduktion (VSH)!

Ein PINtest in Primorsky-völker mit klaren VSH gab für HYG schlechte Werte.

Ein Vergleich von einem verdeckelte Brutwabe Primorsky mit Carnica zeigte deutlich, VSH in Primorsky nach Standard-Protokoll. (verdeckelte Brutzellen mit Varroas: Fortpflanzung ja/nein?)

Also scheint der PIN-Test nicht geeignet VSH Eigenschaften zu erkennen. Mit dem PINtest wird HYG gemessen; und VSH-Verhalten findet man durch das Öffnen älteren geschlossenen Brutzellen und darin der Anzahl von sich vermehrenden und nicht-fortpflanzenden Milben zu zählen. Der Standard VSH-Selektions-test.

PIN & VSH

Zwischenzeitlich ist geprüft worden, ob Völker, die sich beim PINtest “ziemlich gut” zeigten, auch in der Lage waren, verdeckelte Zellen in denen eine lebendige Varroa gestoppt war zu räumen.  Durch leichtes Anheben eine frisch geschlossene Zelldeckel hatte man gezielt ein Varrao hineingebracht. (Böcking, Bienefeld, Drescher 2000) ist. Die PINtest wurde nach etwa 14 Stunden durchgeführt, die Zellen mit einem weiblichen Varrao nach zehn Tagen gezählt. Neben sehr deutliche Unterschiede in der Prozentsatz der geräumte Zellen (mit Varroa bzw. PIN) zeigte auch die Erblichkeit der zwei „Tricks“ (Varroa/VSH & PIN) deutlich andere Werte; was auf unterschiedliche Genetik hindeuten kann.

SMR bei Drohnen

Um das Bild abzurunden: Bei der Analyse von verdeckelte Drohnenbrut in “ Gotland “ Völkern waren sowohl Zellen gefunden, in denen eine Varroa destructor sich nicht reproduziert hat, neben Zellen, wo die Vermehrung “normal” stattfand. Bei einem  DNS Vergleich der beiden Gruppen von Drohnen fand man Unterschiede. Dank dieser Arbeit wissen wir jetzt, daß zusätzlich zu den SMR VSH besteht bei Bienenvölker. Behrends et al 2011. (Bedenke: der Drohn hat nur ein einfache Chromosomensatz; dadurch findet man etwaige Unterschiede in Genom einfacher)

VSH, wo finden wir es?

VSH kennen wir bei (1) der Texelse Biene (van der Zee, 2013); (2) , Primorsky eigener Beobachtung, (3) die VSH Stamm in den USA und (4) POOL Zuchtpopulation Blankensee.

Sie können auch auf Ihre eigenen Stand Ausschau halten. Relativ viel leere Zellen in den verdeckelte Brutflächen, oder halb-geöffnete Brutzellen, können, wenn sich auf den Zellboden  Varroa-exkrementen zeigen, ein Zeichen sein, das dein Volk VSH-Verhalten hat.

© Job van Praagh 2014

job@vanpraagh.de

Wissenschaftlicher Berater für die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker e.V.

PIN, HYG, VSH & CO.
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